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Stuhl, Dreibeinstuhl, 1949
Max Bill
Stuhl, Dreibeinstuhl
Max Bill,

Stuhl, Dreibeinstuhl,
1949

*2011
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Museum für Gestaltung Zürich
Ausstellungsstrasse 60
8031 Zürich
Museumsplan
Museum für Gestaltung Zürich
Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 94
8031 Zürich
  • Dreibeinstuhl Max Bill Stuhl
  • Dreibeinstuhl Max Bill Stuhl
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Max Bill (1908–1994) beschäftigte sich seit 1948 mit Industrial Design. Als Architekt, Produktgestalter und als Künstler propagierte er «Die gute Form». Sowohl der Dreirundtisch als auch der zugehörige Dreibeinstuhl sind funktionales Möbel und geometrische Figur in einem.

Für den Künstler Max Bill – der just 1949 die Aktion «Die gute Form» aus der Taufe hob – waren Designprobleme nicht allein mit funktionellen und konstruktiven Ansätzen zu lösen. Seine geometrisch konstruierten Bilder und Plastiken bilden gleichsam den Schlüssel zum Verständnis der sowohl die Möbel als auch das Gebrauchsgerät und die Architektur prägenden «Ästhetik der puritanischen Sparsamkeit» (von Moos). So ist der Umriss des Dreirundtischs von einer aus drei gleichen Kreisen konstruierten geometrischen Figur bestimmt, die sich wiederum auf die dreieckförmige tragende Holzzarge bezieht. Die verführerisch-freien Formen des zugehörigen Dreibeinstuhls leiten sich von einer analogen Unterkonstruktion ab, doch ist der Umriss des Sitzes und der Rückenlehne – den konkreten Gegebenheiten entsprechend – mit je zwei unterschiedlichen Radien konstruiert. Die freien Formen von Tisch und Stuhl ergänzen sich, weil sie der gleichen Methode entspringen. Ähnliches gilt für die durchaus geläufigen, konisch zugespitzten Beine, die am Rücken des Stuhls eine einmalige – ebenfalls aus der speziellen Situation abgeleitete – Variation erfahren und dadurch ebenfalls zu charakteristischen Bestandteilen der beiden Entwürfe werden. Bill schaffte es mit seiner Methode der «konkreten Gestaltung», die unterschiedlichen Elemente zu einer selbstverständlich wirkenden Möbelgruppe von unverwechselbarer Gestalt zusammenzuschweissen, die «wie aus einem Guss» wirkt. (Arthur Rüegg)

Dreibeinstuhl, 1949
Entwurf: Max Bill
Herstellung: AG Möbelfabrik Horgen-Glarus, CH
Vertrieb: Wohnbedarf AG, Zürich / Basel, CH
Material/Technik: Birken-Sperrholz, formgebogen; Holz, massiv, lackiert (Beine)
75 × 43.5 × 52 cm
Eigentum: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK
Literaturo

Museum für Gestaltung Zürich (Hg.), 100 Jahre Schweizer Design, Zürich 2014, S. 149.

Arthur Rüegg, «Dreirundtisch, 1949/50. Max Bill», in: Rüegg, Arthur (Hg.), Schweizer Möbel und Interieurs im 20. Jahrhundert, Basel / Boston / Berlin 2002, S. 162f.

Stanislaus von Moos, Schönheit als Funktion. Anmerkung zu Max Bill, in: Rüegg, Arthur / Tropeano, Ruggero (Hg.), Wege zur «Guten Form». Neun Beiträge zur Geschichte der Schweizer Produktgestaltung, Basel / Boston / Berlin 1995, S. 69–72.

Biografieo
Max Bill
Max Bill
*1908 in Winterthur
†1994 in Berlin

Max Bill absolvierte zunächst eine Silberschmiedlehre an der Kunstgewerbeschule Zürich, bevor er am Bauhaus in Dessau Architektur studierte. Ab 1929 liess er sich als Architekt, Grafiker, freier Künstler und Publizist in Zürich nieder. 1931 richtete Bill Wohnung und Atelier für einen Maler und Zeichner in der Siedlung Neubühl in Zürich ein. Er knüpfte erste Kontakte zur Wohnbedarf AG, für die er in den Gründungsjahren Firmenprospekte, Einladungskarten, Briefbögen und Inserate gestaltete. Auch die Ladenbeschriftung, die später zum Firmenlogo avancierte, geht auf Bills Entwurf zurück. Bills Architektenlaufbahn begann 1931/32 mit dem Bau des eigenen Wohn- und Atelierhauses in Zürich-Höngg. Als grafischer Gestalter in der Abteilung Städtebau und Landesplanung wirkte er 1939 an der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich mit. 1944 erhielt Bill einen Lehrauftrag für Formlehre an der Kunstgewerbeschule Zürich. 1949 organisierte er die erste Sonderschau Die gute Form an der Mustermesse in Basel. Im selben Jahr entwarf Bill für die Wohnbedarf AG den bei Horgenglarus hergestellten Dreirundtisch. Sein grösstes Bauprojekt folgte 1950, die Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm, wo er ab 1951 auch für fünf Jahre Rektor und Leiter der Abteilungen für Architektur und Produktform war. Gemeinsam mit dem Designer Hans Gugelot und dem Schreiner Paul Hildinger entwickelte er in Ulm unter anderem den berühmten Mehrzweck-Hocker. Nach seinem Ausscheiden aus der HfG Ulm widmete sich Bill der Architektur und der freien Kunst. Neben Ausstellungsorganisationen und -beiträgen lehrte Bill von 1967 bis 1974 als Professor für Umweltgestaltung an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Bill gilt als einer der Hauptvertreter der Schweizer Konkreten und war Mitglied zahlreicher Künstler-, Gestalter- und Architektenvereinigungen im In- und Ausland sowie Ehrenmitglied verschiedener Akademien. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen nahm er 1994 die Ehrendoktorwürde der ETH Zürich entgegen. (Andrea Eschbach)

Quelle:

Arthur Rüegg (Hg.), Schweizer Möbel und Interieurs im 20. Jahrhundert, Basel/Boston/Berlin 2002.
Fleischmann, Gerd, Hans Rudolf Bosshard, Christoph Bignens, Max Bill. Typografie, Reklame, Buchgestaltung, Sulgen 1999.

Porträt Max Bill
Abbildung: www.ariadnefilm.de / Fotografie: unbekannt

Legendeno

Dreibeinstuhl, 1949, Entwurf: Max Bill
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Detailaufnahme, Dreibeinstuhl, 1949, Entwurf: Max Bill
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Zwei Dreibeinstühle, 1949, Entwurf: Max Bill
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Max Bill mit seinem Kreuzargenstuhl, um 1951, Fotografie: Ernst Scheidegger
Abbildung: Arthur Rüegg

Fotografie, Dreibeinstühle am Dreirundtisch, 1949, Fotografie: Hans Finsler
Abbildung: Archiv ZHdK