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Spannstützengestell, (ohne Titel), 1946
Hans Georg Bellmann
Spannstützengestell, (ohne Titel)
Hans Georg Bellmann,

Spannstützengestell, (ohne Titel),
1946

*2010
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Museum für Gestaltung Zürich
Ausstellungsstrasse 60
8031 Zürich
Museumsplan
Museum für Gestaltung Zürich
Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 94
8031 Zürich
  • (ohne Titel) Hans Georg Bellmann Spannstützengestell
  • (ohne Titel) Hans Georg Bellmann Spannstützengestell
  • (ohne Titel) Hans Georg Bellmann Spannstützengestell
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Mit dem Spannstützengestell entwickelte der Industrial Designer Hans Georg Bellmann (1911–1990) einen neuen Möbeltyp: ein zwischen Boden und Decke eingespanntes Regal, das frei im Raum oder an einer Wand platziert werden kann. Mit seiner intelligenten Holzkonstruktion verkörpert es das Lebensgefühl der Nachkriegszeit.

Der Bauhaus-Absolvent Hans Georg Bellmann (1911–1990) war bei der Wohnbedarf AG Zürich und bei so namhaften Architekten wie Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich, Leopold Boedecker, Rino Tami, Hans Brechbühler und Alfred Roth angestellt, bevor er 1946 wie ein Phoenix aus der Asche des Kriegs als einer der wichtigsten «Industrie-Entwerfer» die Szene betrat. Seine innerhalb eines einzigen Jahres realisierte erste Möbellinie lieferte den Grundstock der in Zürich und Basel wieder auflebenden Firma Wohnbedarf. Die vorwiegend aus Holz gefertigten Objekte verkörpern mit ihrer ökonomischen Konstruktion, der Zerlegbarkeit und der optisch nachvollziehbaren Gestaltungsidee das neue Lebensgefühl der Nachkriegszeit, das im «nomadischen Wohnen» seinen Ausdruck fand. Beim Spannstützengestell mit seinen gegeneinander verschiebbaren Ahornholmen ist die Bildhaftigkeit evident. Die beiden Holme werden mit Hilfe von Drahtbügeln fixiert, die gleichzeitig als Tablarträger dienen. Versteckt angeordnete dünne Zugstangen halten die Konstruktion zusammen. Das unseres Wissens erste zwischen Boden und Decke einspannbare Gestell kann entweder gegen die Wand oder als transparenter Raumteiler angeordnet werden. Mit seinen integrierbaren Tisch- und Schrankelementen ist es ein Vorläufer der späteren Wohnwände; formal nimmt es die kommende Architektursprache vorweg, bei der die Tiefendimension der «brise-soleil» zum Erkennungszeichen einer wiedererwachten Moderne wird. (Arthur Rüegg)

Spannstützengestell, 1946
Entwurf: Hans Bellmann
Produktion: Wohnbedarf AG, Zürich / Basel, CH
Material/Technik: Ahorn, lackiert
240 × 85 × 23 cm
Eigentum: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK
Literaturo

Museum für Gestaltung Zürich (Hg.), 100 Jahre Schweizer Design, Zürich 2014, S. 224.

Arthur Rüegg / Ulrich P. Wieser, Hans Bellmann, Architekt und Industrie-Entwerfer. 1911–1990, Basel 1991.

Arthur Rüegg, «Hans Bellmann (1911–1990)», in: Rüegg, Arthur / Tropeano, Ruggero, Wege zur «Guten Form». Neun Beiträge zur Geschichte der Schweizer Produktgestaltung, Basel / Boston / Berlin 1995, S. 50–57.

Biografieo
Hans Georg Bellmann
Hans Georg Bellmann
*1911 in Turgi
†1990 in Wiggwil

Hans Bellmann gehört zu den profiliertesten Wegbereitern der klassischen Moderne in der Formgestaltung und hat die industrielle Gestaltung in der Schweiz nachhaltig beeinflusst. Nach seinem Studium am Bauhaus in Dessau und Berlin von 1931–1933 arbeitete er zunächst bei Ludwig Mies van der Rohe, kehrte aber 1934 in die Schweiz zurück. Ab 1946 lebte Bellmann als freier Architekt und Gestalter in Zürich und entwickelte eine ganze Reihe von Typenmöbeln aus Holz. 1951 übernahm er die Einrichtung der Ausstellung Kunst und Wohnkultur im Kunsthaus Luzern. 1934–1938 als Mitarbeiter der Zürcher Wohnbedarf AG und ab 1946 als freier Architekt und Industriedesigner entwickelte Bellmann für zahlreiche Unternehmen Produkte, die sich durch eine Ökonomie der eingesetzten Mittel und klare, präzise Formen auszeichneten. Seine frühen Möbel wie der Kolonialtisch (1944–1946) waren nicht nur leicht und sparsam konstruiert, sondern auch schnell zerlegbar. Eines seiner bekanntesten Möbel ist der Einpunktstuhl, auch Bellmann-Stuhl genannt, für Horgenglarus (1951/52), bei dem er eine Sperrholz-Sitzschale auf ein leichtes Metallgestell setzte und für deren Verbindung eine ausgesprochen elegante Lösung wählte: eine einzige Schraube. Das Prinzip des sparsamen Einsatzes der Mittel teilte Bellmann mit seinen Zeitgenossen wie Max Bill und Hans Gugelot. Ab Mitte der 1950er-Jahre entwarf er Möbelkollektionen für verschiedene, auch ausländische Hersteller. Von 1955 bis 1961 experimentierte Bellmann mit glasfaserverstärktem Polyester, als Resultat entstand die Sitwell-Kollektion für Strässle Söhne in Kilchberg, mit den ersten industriell gefertigten Fiberglasschalen Europas. Bellmann wirkte auch als Formberater für die Industrie, so beispielsweise für die Firma Alusuisse in Zürich (1970/71). Daneben war er auch immer wieder im In- und Ausland in der Lehre tätig. (Andrea Eschbach)

Quelle:

Arthur Rüegg (Hg.), Schweizer Möbel und Interieurs im 20. Jahrhundert, Basel/Boston/Berlin 2002.

Porträt Hans Georg Bellmann, Fotografie: unbekannt, Abbildung: Archiv ZHdK

Legendeno

Spannstützengestell, 1946, Entwurf: Hans Bellmann
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Detailaufnahme, Bellmann Spannstützengestell, 1946
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Detail Konstruktionsplan, Bellmann Spannstützengestell, 1946
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Werbefotografie, Bellmann Spannstützengestell, um 1950, Foto: Hans Finsler
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Fotografie, Oberlichtsaal der Ausstellung Kunst und Wohnkultur im Kunsthaus Luzern, 1951, Foto: Otto Pfeiffer
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK