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Schriftentwurf, Douane, 1970–72
Adrian Frutiger
Schriftentwurf, Douane
Adrian Frutiger,

Schriftentwurf, Douane,
1970–72

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Museum für Gestaltung Zürich
Ausstellungsstrasse 60
8031 Zürich
Museumsplan
Museum für Gestaltung Zürich
Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 94
8031 Zürich
  • Douane Adrian Frutiger Schriftentwurf
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  • Douane Adrian Frutiger Schriftentwurf
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Ab 1970 gestaltete Adrian Frutiger (1928–2015) eine Signalisationsschrift für den Flughafen Roissy CDG in Paris, die zum internationalen Standard für Flughafenbeschriftungen wurde. Grundlage für die Schrift bildeten Tests zur Lesbarkeit. Später wurde die sogenannte Roissy zur bekannten Werksatzschrift Frutiger umgearbeitet.

Für die Gestaltung der Signalisationsschrift Roissy hat Adrian Frutiger eingehende Untersuchungen zur Lesbarkeit angestellt. Die Schrift sollte keine Serifen haben, was in diesem Fall visueller Lärm gewesen wäre. Ein Zeichen «muss so klar sein wie ein Pfeil», sagte er. Wichtig sind die offenen Bogenenden, denn diese weisen zum nächsten Zeichen hin, wodurch die Wörter eine optische Einheit bilden und besser erfassbar sind. Am Flughafen, wo wichtige Informationen schnell vom Auge aufgenommen werden müssen, ist das von grosser Bedeutung. Auch Abklärungen zur Breite und Strichstärke sowie zur Form der Zeichen wurden vorgenommen. Besonders die verschiedenen Varianten des kleinen «a» verdienen Beachtung. Offene Bogenformen hat Frutiger bereits in sehr frühen Skizzen thematisiert, und sie haben ihn ein Leben lang begleitet. Er betrachtete sie als menschlich und human gegenüber Schriften mit geschlossenen Bogenformen wie Helvetica oder Univers. 1976 hat Linotype die Schrift in ihr Fotosatz-Schriftprogramm aufgenommen. Dazu musste sie von einer Signalisations- zu einer Werksatzschrift umgezeichnet werden. Sie wurde also leicht feiner und schmaler angelegt sowie etwas kontrastreicher gestaltet. Anfänglich wurde die Schrift bei Linotype Roissy genannt, aber zur Absicherung gegen Plagiate bekam sie Frutigers Namen. Das hat schlussendlich zwar nicht geholfen, die Schrift zu schützen, doch damit wurde Frutigers Name auch in weiteren Kreisen bekannt. (Heidrun Osterer)

Klebentwurf Wortbildtest Flughafenschrift Roissy, Douane, 1970 – 1972
Schriftentwurf: Atelier Frutiger + Pfäffli, Arceuil, FR / Adrian Frutiger
Auftrag: Aéroports de Paris, FR
Material/Technik: Transparentpapier / Schriftfamilie und -verwendung: Alphabet Roissy, Signalisationsschrift
Donation: Schweizerische Stiftung Schrift und Typographie, Bern, CH
9.8 × 32.3 cm
Donation: Schweizerische Stiftung Schrift und Typographie, Bern, CH
Eigentum: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK
Literaturo

Heidrun Osterer, Philipp Stamm (Hg.), Adrian Frutiger Schriften. Das Gesamtwerk, Basel/Boston/Berlin, 2009, S. 224–229, 250–267.

Biografieo
Adrian Frutiger
Adrian Frutiger
*1928 in Unterseen bei Interlaken
†2015 in Bremgarten bei Bern

Adrian Frutiger zählt zu den wichtigsten Schriftgestaltern des 20. Jahrhunderts. Seine Ausbildung begann 1944 mit einer Schriftsetzerlehre bei der Otto Schlaefli AG in Interlaken und setzte sich 1949 mit einer dreijährigen Weiterbildung zum Typo-Grafiker bei Walter Käch und Alfred Willimann an der Kunstgewerbeschule Zürich fort. Seine Diplomarbeit über die Entwicklung der europäischen Schriften (Schrift, Écriture, Lettering) weckte das Interesse von Charles Peignot, der ihn 1952 nach Paris in die Schriftgiesserei Deberny & Peignot holte. Hier entwarf Frutiger bis 1960 mehrere Druckschriften, von denen die Méridien und die Univers die ersten sowohl für den Blei- wie für den Fotosatz (Lumitype) konzipierten Werksatzschriften waren. Die Univers ging als erste planmässig aufgebaute Schriftfamilie in die Geschichte der Drucktypen ein und besiegelte Frutigers weltweiten Ruhm. Im Lauf seiner Karriere war Frutiger, der 1961 sein eigenes Atelier in Paris gründete, in viele satztechnische Neuerungen involviert. So zeichnete er klassische Schriften für die Lumitype um, entwickelte von 1963 bis 1973 die Normschrift OCR-B und beriet Firmen wie IBM und Linotype bei der Entwicklung neuer Satzverfahren. In den 1970er-Jahren widmete er sich vermehrt Projekten der Signaletik, so etwa der Beschriftung der Pariser Métro (1973) oder derjenigen des Pariser Flughafens Roissy CDG. Aus der Flughafenschrift Roissy CDG (1970–1972), die sich in vielen internationalen Airports etablierte, entstand 1974 die erfolgreiche Druckschrift Frutiger, welche in der Schweiz zuerst für die Beschriftung der Postautos, dann für das Erscheinungsbild der PTT und später für jenes der Post eingesetzt wurde. Frutigers wesentliche Druckschriften sind die Méridien, Univers, Frutiger, Égyptienne F, Serifa, Versailles, Centennial, Avenir und die Vectora. Er entwarf auch zahlreiche Signete und Wortmarken. Sein Schriftwissen vermittelte er an der École Estienne (1952–1960), an der École nationale supérieure des arts décoratifs (1954–1968), in seinem Atelier und in seinen Publikationen. Für sein Lebenswerk bekam der 1992 in seine Heimat Zurückgekehrte zahlreiche internationale Ehrungen. Sein privates Archiv befindet sich in der Grafiksammlung des Museum für Gestaltung Zürich. (Barbara Junod)

Quelle:

Heidrun Osterer, Philipp Stamm (Hg.), Adrian Frutiger Schriften. Das Gesamtwerk, Basel/Boston/Berlin 2009.
Roxane Jubert, «Adrian Frutiger – Black and Light», in: Museum für Gestaltung Zürich (Hg.), 100 Jahre Schweizer Grafik, Zürich 2014.
Museum für Gestaltung Zürich (Hg.), Les Suisses de Paris. Grafik und Typografie / Graphisme et typographie, Sammeln heisst forschen / Collection et recherche, Bd. 2, Zürich 2015.

Porträt Adrian Frutiger
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich, ZHdK / Fotografie: Hansueli Trachsel

Legendeno

Klebentwurf Wortbildtest Flughafenschrift Roissy, Douane, 1970 – 1972, Schriftentwurf: Atelier Frutiger + Pfäffli, Arceuil, FR / Adrian Frutiger, Donation: Schweizerische Stiftung Schrift und Typographie, Bern, CH
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Schriftentwurf, incomplet sera complete (Delta), um 1952, Gestaltung: Adrian Frutiger, Auftrag: Deberny et Peignot, Paris, FR, Donation: Schweizerische Stiftung Schrift und Typographie, Bern, CH
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Letraset, Alphabet Roissy, um 1974 (Schriftentwurf 1970–72: Adrian Frutiger), Auftrag: Aéroports de Paris, FR, Donation: Schweizerische Stiftung Schrift und Typographie, Bern, CH
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Fotografie, Signalisation im Flughafen Charles de Gaulle, um 1979 (Schriftentwurf 1970–72: Adrian Frutiger), Donation: Schweizerische Stiftung Schrift und Typographie, Bern, CH
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Reinzeichnung von Hans-Jürg Hunziker, ä – Frutiger 55, um 1974 (Schriftentwurf: Adrian Frutiger), Auftrag: D. Stempel AG, Frankfurt am Main, DE, Donation: Schweizerische Stiftung Schrift und Typographie, Bern, CH
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Ausstellungstexto
Adrian Frutiger – Roissy, Frutiger

Schnelle Erkennbarkeit bildet 1970 das wichtigste Kriterium bei der Gestaltung der Schrift für den Flughafen Roissy Charles de Gaulle. Deshalb macht Adrian Frutiger (1928 – 2015) eingehende Studien zur optimalen Laufweite sowie zur Zeichenbreite und -fette. Schon früh skizziert er solche Schriften in vielen Varianten. Die Schildervorlagen werden mittels Anreibebuchstaben hergestellt. 1976 kommt die Roissy als Mengensatzschrift Frutiger für den Fotosatz heraus, wofür sie etwas weniger fett und breit angelegt wurde.