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Hocker, Ulmer Hocker, 1954
Max Bill
Hocker, Ulmer Hocker
Max Bill,

Hocker, Ulmer Hocker,
1954

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f Objekt e
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Museum für Gestaltung Zürich
Ausstellungsstrasse 60
8031 Zürich
Museumsplan
Museum für Gestaltung Zürich
Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 94
8031 Zürich
  • Ulmer Hocker Max Bill Hocker
  • Ulmer Hocker Max Bill Hocker
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Der multifunktionale Ulmer Hocker verkörpert modellhaft, was Max Bill (1908–1994) in den 1950er-Jahren als Architekt, Gestalter und Lehrer an der Hochschule für Gestaltung Ulm propagierte: Die Verbindung von äusserster Materialausnutzung und konstruktiver Schönheit.

Wenn es darum ging, mit minimalen Mitteln ein Maximum an Nutzen und räumlicher Wirkung zu erzielen, fühlte sich Max Bill in seinem Element. Was Wunder, wenn er aus der finanziellen Misere beim Bau der Hochschule für Gestaltung Ulm als Architekt, Gestalter und Lehrer Nutzen zu ziehen wusste. Der Ulmer Hocker – aus geschenkten Tannenbrettern und Besenstielen für die Schule gefertigt – verkörpert modellhaft den von Bill propagierten Mehrwert, der aus der Verbindung von äusserster Materialausnutzung und konstruktiver Schönheit entsteht. Obwohl der Hocker nicht das Resultat einer Lehrer-Schüler-Beziehung ist – sondern aus der Zusammenarbeit von Max Bill mit dem Dozenten Hans Gugelot und dem Werkstattmeister Paul Hildinger entstand –, spielte er als Vorbild im Unterricht und als multifunktionaler Gebrauchsgegenstand eine zentrale Rolle. Auf Fotos ist der Einsatz als Vortragspult, als Sitzgelegenheit in Mensa, Hörsaal, Werkstatt und Studentenbude, als Tragelement für den Büchertransport, ja sogar als Nachttisch dokumentiert. Ob Bills «platonische Idee eines Stuhls» (Bernhard Rübenach) an die konkrete Materialisierung mit sorgfältig verzinkten Tannenbrettern und bündigen Buchenkufen gebunden sei, stellte die Zürcher Wohnhilfe 1962 mit einer brachial einfachen Ausführung in Spanplatten (und zusätzlicher Schublade) zur Diskussion. Zanotta fabrizierte das Modell 1975 in Birkensperrholz, bevor die Originalversion – inzwischen eine Ikone minimalistischen Designs – 1992 bei der Wohnbedarf AG Zürich eine erfolgreiche Renaissance erlebte. (Arthur Rüegg)

Ulmer Hocker, 1954 (handsigniert 1988)
Entwurf: Max Bill, Hans Gugelot, Paul Hildinger
Herstellung: Schreinerei Ph. Oswald, Oberglatt, CH
Material/Technik: Fichte, Buche, massiv
45 × 40 × 30 cm
Eigentum: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK
Literaturo

Museum für Gestaltung Zürich (Hg.), 100 Jahre Schweizer Design, Zürich 2014, S. 189.

Margit Weinberg-Staber, «Hocker (Sitze)», in: Weinberg-Staber, Margit / Kunstgewerbemuseum Zürich (Hg.) Design – Formgebung für jedermann. Typen und Prototypen, Zürich 1983, S. 152–159.

Biografieo
Max Bill
Max Bill
*1908 in Winterthur
†1994 in Berlin

Max Bill absolvierte zunächst eine Silberschmiedlehre an der Kunstgewerbeschule Zürich, bevor er am Bauhaus in Dessau Architektur studierte. Ab 1929 liess er sich als Architekt, Grafiker, freier Künstler und Publizist in Zürich nieder. 1931 richtete Bill Wohnung und Atelier für einen Maler und Zeichner in der Siedlung Neubühl in Zürich ein. Er knüpfte erste Kontakte zur Wohnbedarf AG, für die er in den Gründungsjahren Firmenprospekte, Einladungskarten, Briefbögen und Inserate gestaltete. Auch die Ladenbeschriftung, die später zum Firmenlogo avancierte, geht auf Bills Entwurf zurück. Bills Architektenlaufbahn begann 1931/32 mit dem Bau des eigenen Wohn- und Atelierhauses in Zürich-Höngg. Als grafischer Gestalter in der Abteilung Städtebau und Landesplanung wirkte er 1939 an der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich mit. 1944 erhielt Bill einen Lehrauftrag für Formlehre an der Kunstgewerbeschule Zürich. 1949 organisierte er die erste Sonderschau Die gute Form an der Mustermesse in Basel. Im selben Jahr entwarf Bill für die Wohnbedarf AG den bei Horgenglarus hergestellten Dreirundtisch. Sein grösstes Bauprojekt folgte 1950, die Hochschule für Gestaltung (HfG) in Ulm, wo er ab 1951 auch für fünf Jahre Rektor und Leiter der Abteilungen für Architektur und Produktform war. Gemeinsam mit dem Designer Hans Gugelot und dem Schreiner Paul Hildinger entwickelte er in Ulm unter anderem den berühmten Mehrzweck-Hocker. Nach seinem Ausscheiden aus der HfG Ulm widmete sich Bill der Architektur und der freien Kunst. Neben Ausstellungsorganisationen und -beiträgen lehrte Bill von 1967 bis 1974 als Professor für Umweltgestaltung an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Bill gilt als einer der Hauptvertreter der Schweizer Konkreten und war Mitglied zahlreicher Künstler-, Gestalter- und Architektenvereinigungen im In- und Ausland sowie Ehrenmitglied verschiedener Akademien. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen nahm er 1994 die Ehrendoktorwürde der ETH Zürich entgegen. (Andrea Eschbach)

Quelle:

Arthur Rüegg (Hg.), Schweizer Möbel und Interieurs im 20. Jahrhundert, Basel/Boston/Berlin 2002.
Fleischmann, Gerd, Hans Rudolf Bosshard, Christoph Bignens, Max Bill. Typografie, Reklame, Buchgestaltung, Sulgen 1999.

Porträt Max Bill
Abbildung: www.ariadnefilm.de / Fotografie: unbekannt

Legendeno

Ulmer Hocker, 1954 (handsigniert 1988), Entwurf: Max Bill, Hans Gugelot, Paul Hildinger
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Hocker mit Schublade, 1962, Produktion: Werkgenossenschaft Wohnhilfe, St. Gallen, CH
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Fotografie, Unterricht auf der Terrasse der HfG Ulm, 1955, Fotografie: Ernst Scheidegger
Abbildung: René Spitz, hfg ulm, der blick hinter den Vordergrund, Stuttgart / London 2002 / Archiv hfg

Ausstellungstexto
Ulmer Hocker, Max Bill, 1954, WB Form AG, CH

Max Bill (1908–1994) wollte stets mit minimalen Mitteln ein Maximum an Nutzen und räumlicher Wirkung erzielen. So wusste er auch aus der finanziellen Misere beim Bau der Hochschule für Gestaltung Ulm als Architekt, Gestalter und Lehrer einen Nutzen zu ziehen. Der Ulmer Hocker – aus geschenkten Tannenbrettern und Besenstielen für die Schule gefertigt, verkörpert modellhaft den von Max Bill propagierten Mehrwert, der aus der Verbindung von äusserster Materialausnutzung und konstruktiver Schönheit entsteht. Das mit Hans Gugelot und Paul Hildinger entwickelte asketische Sitzmöbel spielte als Vorbild im Unterricht und als multifunktionaler Gebrauchsgegenstand eine zentrale Rolle. Es konnte als Vortragspult, als Sitzgelegenheit, als Tragelement für den Büchertransport, ja sogar als Nachttisch verwendet werden. Zanotta fabrizierte das Modell 1975 in Birkensperrholz, bevor die Originalversion – inzwischen eine Ikone minimalistischen Designs – 1992 bei der Wohnbedarf AG Zürich eine erfolgreiche Renaissance erlebte.