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Behältermöbel, Säulenstumpf, 1978
Robert HaussmannTrix Haussmann
Behältermöbel, Säulenstumpf
Robert Haussmann, Trix Haussmann,

Behältermöbel, Säulenstumpf,
1978

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Museum für Gestaltung Zürich
Ausstellungsstrasse 60
8031 Zürich
Museumsplan
Museum für Gestaltung Zürich
Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 94
8031 Zürich
  • Säulenstumpf Robert Haussmann Trix Haussmann Behältermöbel
  • Säulenstumpf Robert Haussmann Trix Haussmann Behältermöbel
  • Säulenstumpf Robert Haussmann Trix Haussmann Behältermöbel
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Interview mit Trix & Robert Haussmann
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Der Säulenstumpf ist ein Paradestück aus einer Serie von Möbeln, die das Architekten- und Gestalterpaar Trix (geb. 1933) und Robert Haussmann (geb. 1931) für die Kollektion Röthlisberger entwarf. Neben der Zweckentfremdung der symbolisch aufgeladenen Säulenform wirkt deren Oberfläche aus Wurzelholzfurnier wie Marmor.

Adolf Loos machte 1922 seinen Chicago Tribune Tower einzigartig, indem er ihm die Form einer dorischen Säule gab. Trix und Robert Haussmann paraphrasierten diesen Entwurf ironisch, wenn sie ihr Behältermöbel Säulenstumpf – und zwar mit halb herausgezogenen Schubladen – als Wolkenkratzer darstellten. Auch sie versuchten gut fünfzig Jahre später, die sozialen und funktionellen Bedeutungen symbolhafter Formen in verschiedenen Massstäben, Kontexten und Materialisierungen zu hinterfragen und sinnlich zu vermitteln. 1981 prägten sie den Begriff «Kritischer Manierismus» für ihre Untersuchungen zur Materialverfremdung, zur Raumveränderung, zu Komplexität, Mehrdeutigkeit, Mehrfachkodierung, zu Metapher, Allegorie, Paraphrase und Zitat sowie zum Einbezug von Widerspruch, Störung, Zerstörung. Einzelne Themen griffen sie heraus und stellten sie in möglichst zugespitzter Form als Lehrstücke dar. Das Lehrstück II Störung der Form durch die Funktion konfrontiert die hermetische Form einer kannelierten Säule mit der Maxime «Form follows function». In der endgültigen Version ist der Säulenstumpf in elf flache Zylinder aufgeteilt, die um eine senkrechte, seitlich verschobene Achse als mit Glasboden versehene Behälter ausschwenken. Nicht nur die fast unbegrenzten Veränderungsmöglichkeiten und die handwerkliche Höchstleistung faszinieren, sondern auch die Erinnerung an die verschobenen Säulentrommeln antiker Ruinen. (Arthur Rüegg)

Behältermöbel, Säulenstumpf, 1978
Entwurf: Trix Haussmann,
Robert Haussmann
Herstellung: Röthlisberger Schreinerei AG, Gümligen, CH
Produktion: Röthlisberger Kollektion, Gümligen, CH
Material/Technik: Multiplex Buche, Olivenesche (Maserfurnier)
134 × 43 cm, Sockel 46,5 × 46,5 cm
Dauerleihgabe: Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur Bern
Literaturo

Museum für Gestaltung Zürich (Hg.), 100 Jahre Schweizer Design, Zürich 2014, S. 258.

Lotte Schilder Bär, «‹Illusionistische Lehrstücke› – ‹Manierismo Critico›,1977–1986. Trix und Robert Haussmann», in: Arthur Rüegg (Hg.), Schweizer Möbel und Interieurs im 20. Jahrhundert, Basel/Boston/Berlin 2002, S. 246f.

Röthlisberger Kollektion (Hg.), Die Allgemeine Entwurfsanstalt mit Trix und Robert Haussmann, Möbel für die Röthlisberger Kollektion, Sulgen 2011.

Robert Haussmann, «Manierismo Critico (1981)», in: Fredi Fischli / Niels Olsen, Trix + Robert Haussmann, Zürich 2012, S. 28–33.

Biografieo
Robert Haussmann
Robert Haussmann
*1931 in Zürich

Das Ehepaar Trix und Robert Haussmann zählt seit den späten 1960er-Jahren zu den prägenden Figuren der Schweizer Architektur- und Designlandschaft. Der bei Wilhelm Kienzle und Willy Guhl ausgebildete Innenarchitekt Robert Haussmann besuchte während seiner Studienzeit die Kunstgeschichtevorlesungen Sigfried Giedions an der ETH Zürich und verbrachte ein Auslandsjahr in Amsterdam, wo er unter anderem die damalige Kunstgewerbeschule besuchte, die von Gerrit Rietveld geleitet wurde. Später war er Assistent von Willem Sandberg, in dieser Position arbeitete er an der ersten Nachkriegsausstellung von De Stijl mit. Nach dem Tod des Vaters führte er mit seinem Bruder Peter das elterliche Einrichtungsgeschäft weiter, eröffnete gleichzeitig sein eigenes Büro für Produktgestaltung und wurde Mitglied des Schweizerischen Werkbunds. Haussmann begann schon in den 1950er-Jahren, Möbel und Innenräume zu entwerfen. 1957 richtete er im Auftrag des SWB eine Musterwohnung auf der Berliner Interbau ein, kurz darauf wurde er in die Fachjury für «Die gute Form» berufen. Im Auftrag der Schweizerischen Eidgenossenschaft entwarf er die Salle Suisse im Verwaltungsgebäude der Unesco in Paris, für die er den Unesco-Stuhl entwickelte. 1958 nahm er an der Ausstellung neue metallmöbel im Kunstgewerbemuseum Zürich teil, für die Lausanner Expo 64 entwarf er 1964 das Restaurant des Centre de l’hotellerie mit dem Expo-Stuhl. Mit seiner Frau Trix gründete er 1967 ein gemeinsames Entwurfsbüro, das seit 1981 Allgemeine Entwurfsanstalt heisst. Ihre erste gemeinsame Arbeit fand Eingang in die Ausstellung «Chair-Fun» des Schweizerischen Werkbunds (SWB). Dank ihrer innovativen, provokanten und theoretischen Auseinandersetzung mit Materialien, Farben und Formen gehörte das Ehepaar Haussmann bald zur internationalen Avantgarde. Ab den späten 1970er-Jahren entstand die Möbelserie Lehrstücke, ein theoretisches Manifest in Form von Modellen. Einige davon wurden später von Ernst Röthlisberger als Möbelobjekte hergestellt und 1982 zusammen mit den Modellen in der Ausstellung Manierismo critico in Milano gezeigt. Gemeinsam dekonstruierte das Paar darin systematisch die These «form follows function». So zeigt beispielsweise das Modell Lehrstück II: Störung der Form durch die Funktion (1978) die Interpretation einer dorischen Säule mit ausdrehbaren Schubladen. Zahlreiche der Haussmann’schen Entwürfe für Hersteller wie Röthlisberger, de Sede, Wogg oder Knoll wurden zu Designklassikern. Bis heute arbeiten Trix und Robert Haussmann an ihrem komplexen Werk, das von der Architektur über Design und Architekturtheorie bis hin zur Stadtplanung reicht. Zum vielfältigen Schaffen des Paars gehören Zürcher Architekturprojekte wie die Kronenhallenbar (1965), die Boutique Lanvin (1977) und die unterirdischen Anlagen im Zürcher Hauptbahnhof (1987–1992) sowie Bauten und Planungen in Hamburg und Berlin. 2013 wurde das Werk von Robert und Trix Haussmann mit dem Grand Prix Design des Bundesamts für Kultur (BAK) ausgezeichnet. (Andrea Eschbach)

Quelle:

Arthur Rüegg (Hg.), Schweizer Möbel und Interieurs im 20. Jahrhundert, Basel/Boston/Berlin 2002.

Porträt Robert Haussmann, Fotografie: Sabine Dreher, Abbildung: Sammlung Robert Haussmann

Trix Haussmann
Trix Haussmann
*1933 in Chur

Das Ehepaar Trix und Robert Haussmann zählt seit den späten 1960er-Jahren zu den prägenden Figuren der Schweizer Architektur- und Designlandschaft. Trix Högl schloss 1963 an der ETH Zürich bei Werner Max Moser und Jacques Schader das Architekturstudium ab und belegte 1967 am Institut für Orts-, Regional- und Landesplanung der ETH Zürich ein Nachdiplomstudium. Im Planungsteam der Expo 64 lernte sie Robert Haussmann kennen, mit dem sie nach ihrer Heirat 1967 ein gemeinsames Büro gründete, das seit 1981 Allgemeine Entwurfsanstalt heisst. Ihre erste gemeinsame Arbeit fand Eingang in die Ausstellung «Chair-Fun» des Schweizerischen Werkbunds (SWB). Dank ihrer innovativen, provokanten und theoretischen Auseinandersetzung mit Materialien, Farben und Formen gehörte das Ehepaar Haussmann bald zur internationalen Avantgarde. Ab den späten 1970er-Jahren entstand die Möbelserie Lehrstücke, ein theoretisches Manifest in Form von Modellen. Einige davon wurden später von Ernst Röthlisberger als Möbelobjekte hergestellt und 1982 zusammen mit den Modellen in der Ausstellung Manierismo critico in Mailand gezeigt. Gemeinsam dekonstruierte das Paar darin systematisch die These «form follows function». So zeigt das Objekt Lehrstück II: Störung der Form durch die Funktion (1978) beispielsweise die Interpretation einer dorischen Säule mit ausdrehbaren Schubladen. In ihren Arbeiten verwendeten die Haussmanns alte, aufwendige Handwerkstechniken wie Intarsienarbeit und Marmorieren, die den Einsatz von Gestaltungsmitteln wie Trompe-l’œil-Effekte, perspektivische Verfremdung und Formzitate ermöglichten. Zahlreiche der Haussmann’schen Entwürfe für Hersteller wie Röthlisberger, de Sede, Wogg oder Knoll wurden zu Designklassikern. Bis heute arbeiten Trix und Robert Haussmann an ihrem komplexen Werk, das von der Architektur über Design und Architekturtheorie bis hin zur Stadtplanung reicht. Zum vielfältigen Schaffen des Paars gehören Zürcher Architekturprojekte wie die Kronenhallenbar (1965), die Boutique Lanvin (1977) und die unterirdischen Anlagen im Zürcher Hauptbahnhof (1987–1992) sowie Planungen und Bauten in Hamburg und Berlin. Ihre Interieurs zeugen von einem ausgeprägten Interesse an illusionistischen Effekten und einem kreativen Umgang mit Textilien. 2013 wurde das Werk von Robert und Trix Haussmann mit dem Grand Prix Design des Bundesamts für Kultur (BAK) ausgezeichnet. (Andrea Eschbach)

Quelle:

Arthur Rüegg (Hg.), Schweizer Möbel und Interieurs im 20. Jahrhundert, Basel/Boston/Berlin 2002.

Porträt Trix Haussmann, Fotografie: Sabine Dreher, Abbildung: Sammlung Trix Haussmann

Legendeno

Behältermöbel, Säulenstumpf, 1978, Entwurf: Trix Haussmann, Robert Haussmann, Dauerleihgabe: Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur Bern
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Behältermöbel, Säulenstumpf, 1978, Entwurf: Trix Haussmann, Robert Haussmann, Dauerleihgabe: Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur Bern
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Modell - Schubladenschrank, Lehrstück II – Störung der Form durch die Funktion, 1979, Entwurf: Trix Haussmann, Robert Haussmann, Donation: Trix Haussmann, Robert Haussmann
Abbildung: Museum für Gestaltung Zürich / ZHdK

Zeichnung, Lehrstück II als Wolkenkratzer, 1978, Entwurf: Trix Haussmann, Robert Haussmann
Abbildung: Archiv Trix und Robert Haussmann